Characters Five Broken Blades - Verrat ist Pflicht Mai Corland

Euyn – Der gefallene Prinz von Yusan in Five Broken Blades

Übersicht

Euyn Hali Baejkin, der jüngere Bruder von König Joon, ist eine der fünf zentralen Figuren in Mai Corlands Five Broken Blades – Verrat ist Pflicht. Einst als „Schlächter vom Westwald“ gefürchtet, lebt er seit drei Jahren unter dem falschen Namen Donal im Ödland Fallow – angeblich tot, in Wahrheit auf der Flucht vor dem Kopfgeld, das sein Bruder auf ihn ausgesetzt hat. Als der ehemalige Geliebte Mikail ihn aufspürt und in eine Verschwörung zum Mord am unsterblichen König zieht, muss Euyn sich nicht nur gegen äußere Feinde behaupten, sondern auch gegen die Geister seiner eigenen Vergangenheit.

Rolle in der Handlung

Euyn ist der geforderte Thronerbe – ohne ihn wäre der Plan, Joon zu töten und die Herrschaft zu übernehmen, sinnlos. Er wird von Mikail, dem Meisterspion des Königs, aus seinem Versteck gelockt und reist quer durch Yusan, um schließlich in Tamneki den entscheidenden Schlag zu führen. Sein Weg ist geprägt von Hinterhalten, inneren und äußeren Kämpfen sowie der schrittweisen Enthüllung seiner wahren Identität. Er ist der Prinz ohne Königreich, der am Ende erkennen muss, dass sein Anspruch auf den Thron auf einer Lüge beruht: Er ist kein echter Baejkin.

Motivationen und Charakterzüge, gezeigt durch Handlungen

Euyns tiefste Motivation ist das Verlangen nach Anerkennung und Erlösung. Als zweitgeborener Sohn wurde er stets vernachlässigt, während Joon alle Macht besaß. In Fallow sehnt er sich nach einem Leben, das nicht von Furcht und Enge bestimmt ist. Er handelt oft widersprüchlich: Er ist vorsichtig bis zur Paranoia, aber auch impulsiv, wenn es um Mikail geht. Seine Handlungen offenbaren einen Mann, der gelernt hat, sein Herz hinter einer Fassade aus Härte zu verbergen.

Beispielsweise zögert Euyn beim Anblick des Jungen Kito auf dem Gebirgspass (Kapitel 22), weil er eine Falle wittert. Doch als Mikail darauf besteht, das Kind zu retten, gibt er nach – nicht aus Überzeugung, sondern aus Liebe. Das zeigt seine Abhängigkeit von Mikail, aber auch seine Fähigkeit, sich für andere zu öffnen.

Sein größter innerer Konflikt ist die Diskrepanz zwischen dem, was er war, und dem, was er sein möchte. Im Gespräch mit Mikail im Gebirge (Kapitel 20) gibt er zu, dass er selbst die Verantwortung für seine Taten als Jäger des Königs trägt. Die Erkenntnis, dass er nicht der rechtmäßige Thronfolger ist (Kapitel 34), zwingt ihn, sich neu zu definieren – nicht über Geburt, sondern über Entscheidungen.

Chronologischer Bogen

Euyns Entwicklung folgt einer klaren Linie: von der Angst zur Hoffnung, von der Täuschung zur Wahrheit, von der Fremdbestimmung zur eigenen Wahl.

  1. Versteck in Fallow: Euyn lebt als Donal, von Paranoia getrieben, stets auf der Flucht. Die rote Einladung (Kapitel 2) sprengt seine Isolation.
  2. Wiederbegegnung mit Mikail: Im Stall von Outton trifft er auf seinen ehemaligen Geliebten. Das Wiedersehen weckt alte Gefühle, aber auch Misstrauen.
  3. Reise durch Yusan: Zusammen mit Mikail und später den anderen Attentätern durchlebt Euyn Angriffe von Samrocs, Räubern und Söldnern. Er rettet Mikail mehrfach das Leben.
  4. Konfrontation mit der Vergangenheit: In einem Gespräch mit Tiyung und in seinen eigenen Gedanken (Kapitel 37 und 44) wird klar, dass Euyn seine Mutter tötete, nachdem sie ihm verriet, dass er nicht der wahre Erbe ist. Dieser Mord verfolgt ihn.
  5. Die Entscheidung in der Arena: Euyn erwartet den Gong, um König zu werden, wird aber von einem Attentäter überrascht (Kapitel 77). In diesem Moment glaubt er, Mikail habe ihn verraten.
  6. Die Enthüllung: Später (Kapitel 83) erfährt Euyn, dass nicht Mikail, sondern Aeri und Bay Chin die wahren Drahtzieher waren. Joon bietet ihm Vergebung an – um den Preis einer neuen, gefährlichen Mission.
  7. Neue Mission: Euyn und die anderen müssen innerhalb eines Monats nach Khitan reisen, einen Ring stehlen und zurückkehren, sonst droht ihren Lieben Folter und Tod (Kapitel 85). Euyn erkennt, dass Mikail ihn von Anfang an belogen hat, was sein Vertrauen zutiefst erschüttert.

Beziehungen

Mikail: Die Beziehung zu Mikail ist der emotionale Kern von Euyns Geschichte. Euyn liebt Mikail, aber er ist auch wütend auf ihn – weil er nicht gerettet wurde, weil er getäuscht wurde, weil Mikail Geheimnisse hat (z. B. den Namen Ailor, der ihn erschrecken lässt). Trotz aller Spannungen zeigt Euyn Zärtlichkeit: Er trägt den verletzten Mikail in einen Tunnel (Kapitel 10) und pflegt seine Wunden (Kapitel 14). Am Ende bleibt die Frage, ob er Mikail je wirklich vertrauen kann.

König Joon: Euyns Bruder ist die Verkörperung der Macht, die Euyn nie hatte. Joon ist grausam, aber auch berechnend. Er bietet Euyn Vergebung an, nicht aus Güte, sondern um ihn für seine Zwecke zu nutzen. Euyn hasst Joon, fürchtet ihn und bewundert ihn gleichzeitig.

Sora, Royo, Aeri: Mit den anderen Attentätern verbindet Euyn eine Zweckgemeinschaft. Er beäugt Sora misstrauisch, respektiert Royos Loyalität und unterschätzt Aeri zunächst – ein Fehler, den er später bereut. Die Gruppe wird durch das gemeinsame Ziel zusammengehalten, aber das Band ist brüchig.

Schlüsselentscheidungen und ihre Konsequenzen

  • Annahme der Einladung: Euyn folgt dem roten Umschlag, obwohl er eine Falle vermutet. Diese Entscheidung führt ihn aus der Isolation in die gefährliche Verschwörung.
  • Schonung von Chul: Mikail kritisiert Euyn, weil er den Gefangenen Chul nicht tötet (Kapitel 18). Euyns Begründung – er respektiert die Vaterliebe – zeigt eine unerwartete Milde, die aber die Mission gefährdet.
  • Eingeständnis der falschen Abstammung: In Kapitel 34 offenbart Euyn, dass er kein Baejkin ist. Damit zerbricht sein Thronanspruch, und er muss sich fragen, ob er dennoch ein guter König sein könnte.
  • Mord an der Mutter: Diese Tat (Kapitel 37) belastet Euyns Seele schwer. Sie war ein Akt der Verzweiflung, um das Geheimnis zu bewahren, aber sie verfolgt ihn als Albtraum.
  • Vertrauen in Mikail trotz der Lügen: Am Ende (Kapitel 85) beschließt Euyn, weiterzumachen, obwohl er weiß, dass Mikail ihn belogen hat. Er hat keine andere Wahl – die Mission muss erfüllt werden, um die Gruppe zu retten.

Themen- und Symbolebene

Das zentrale Thema von Euyns Geschichte ist Verrat und Vertrauen. Er selbst war ein Verräter an den Menschen, die er jagte, und wird nun verraten – oder doch nicht? Die Linie zwischen Opfer und Täter verschwimmt. Das Symbol der roten Umschläge zieht sich durch seine Reise: Sie sind Ruf und Falle zugleich, Zeichen eines Schicksals, dem er nicht entkommt.

Das Samroc, das Euyn beinahe tötet (Kapitel 10), ist ein Symbol für seine Vergangenheit: ein blindes, wütendes Wesen, das ihn verfolgt. Der Vogel starrt ihn an, als wolle er ihn persönlich erkennen. Euyns Schießkunst versagt – ein Hinweis darauf, dass seine alten Fähigkeiten ihn nicht mehr retten können.

Die Krone von Yusan repräsentiert Macht und Fluch. Sie macht den Träger unsterblich, aber nur, wenn er vom Blut der Baejkin ist. Euyns falsche Identität wird durch die Krone zur existentiellen Bedrohung: Sie könnte ihn bei der Krönung zu Asche verbrennen.

Das Leitmotiv „Ich bin ein Narr“ (Kapitel 77) fasst Euyns Entwicklung zusammen: Er erkennt, dass er sich stets selbst belogen hat – über Mikail, über seine Vergangenheit, über seine Fähigkeit zu herrschen.

5 Fragen und Antworten zu Euyn

1. Warum nimmt Euyn die Einladung zum Treffen in den Stallungen an, obwohl er eine Falle vermutet? Euyn ist es leid, sich zu verstecken. Er will Antworten, wer ihn gefunden hat und was der rote Umschlag bedeutet. Sein Überlebensinstinkt sagt ihm, umzukehren, aber die Sehnsucht nach einem anderen Leben treibt ihn vorwärts.

2. Was erfährt Euyn im Laufe der Handlung über seine wahre Abstammung? In Kapitel 34 gesteht Euyn, dass er nicht von der Baejkin-Linie ist. Seine Mutter offenbarte ihm auf dem Sterbebett, dass er nicht der Sohn des alten Königs ist. Um das Geheimnis zu wahren, tötete er sie.

3. Welche Rolle spielt Mikail in Euyns Entscheidung, sich der Verschwörung anzuschließen? Mikail ist der Katalysator. Er findet Euyn in Fallow, erinnert ihn an ihre gemeinsame Vergangenheit und überzeugt ihn, dass nur die Tötung Joons Euyn ein Leben in Freiheit bringen kann. Euyns Liebe zu Mikail überlagert sein Misstrauen.

4. Wie reagiert Euyn auf die Enthüllung, dass er nicht der rechtmäßige Thronfolger ist? Er ist tief verunsichert. Die Erkenntnis zwingt ihn, seinen gesamten Lebensentwurf zu hinterfragen. Dennoch entscheidet er sich, weiterzumachen – vielleicht weil er beweisen will, dass ein König nicht durch Geburt, sondern durch Handeln bestimmt wird.

5. Warum am Ende Joon Euyn nicht hinrichten lässt? Joon braucht Euyn für eine Mission: Er soll nach Khitan reisen und den Ring der Königin stehlen. Joon bietet Vergebung an, um Euyn gefügig zu machen. Außerdem scheint Joon eine seltsame Zuneigung zu seinem Bruder zu hegen – er will ihn nicht töten, sondern kontrollieren.